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Thalwil - einst und jetzt

Die Zürichsee-Gemeinde Thalwil


von Martin Pallioppi, Gemeindeschreiber, Thalwil

auf der Platte

Geschichtliches

Das ehemalige Bauerndorf Thalwil umfasste einst die vier Wachten Ober- und Unterdorf, Ludretikon und Langnau. Haupterwerbszweige der Bevölkerung bildeten die Landwirtschaft, der Rebbau sowie vereinzelt die Fischerei und die Schifffahrt. Thalwil hat auch die älteste Holzkorporation des Kantons Zürich, die Bannegg-Waldung, welche vor über 550 Jahren dem Kloster Muri gehörte und 1483 in einer Urkunde an die zwölf Nutzniesser der Hofstätten des Klosters überging. Heute ist diese Holzkorporation im Besitze von 16 Bannegg-Genossen sowie der Gemeinde. Daneben liegen auf Gemeindegebiet auch der Landforst (früher Fraumünsterforstamt) sowie die Gemeindewaldungen. Im Jahre 1713 erfolgte die Abtrennung der Wacht Langnau. Dieser Dorfteil bildete seither eine eigene politische Gemeinde.

Das kirchliche Leben
Thalwil ist eine der ältesten Pfarreien am Zürichsee. Ein dem heiligen Martin geweihtes Gotteshaus wurde 1159 erstmals erwähnt. Dieses bestand trotz Brandschatzung im alten Zürichkrieg und mehreren Blitzschlägen bis 1845. Infolge Platzmangel und Baufälligkeit wurde dieses alte Kirchlein abgebrochen, und an seiner Stelle liess die Gemeinde nach den Plänen des Zürcher Architekten Ferdinand Stadler einen grösseren Neubau errichten. Fast 100 Jahre später (1943) brannte die Kirche bei Reparaturarbeiten am Turm bis auf die Mauern nieder. Im gleichen Stil und am selben Ort wurde sie wieder aufgebaut. Von dieser Kirche im Ortsteil Platte geniesst man eine der schönsten Aussichten über den ganzen Zürichsee von Zürich bis Lachen.

Ferner stehen in Thalwil seit 1899 eine katholische Kirche (katholische Kirchgemeinde zusammen mit Rüschlikon) und das Vereinshaus der Chrischona-Gemeinde. Ebenso hat sich das Christliche Zentrum Thalwil etabliert.

Industrielle Entwicklung
Die erste grosse bauliche Entwicklung erfolgte in den Jahren 1838 bis 1840 durch den Bau der Seestrasse. Das Dorf war früher nur auf dem Seeweg und durch die Landstrasse mit der Stadt und den übrigen Gemeinden verbunden. Diese neue, nicht ohne Widerstand erbaute Verkehrsverbindung brachte den Neubau von stattlichen Herrenhäusern sowie den Aufschwung der Industrie. So entstanden im Laufe der Zeit neben verschiedenen kleineren Betrieben die späteren grossen Textilunternehmungen wie die Färberei Weidmann, die Seidenfirma Robert Schwarzenbach & Co. AG; ferner die Seidenfirma Gebr. Schmid, später Heer & Co. sowie die Baumwollspinnerei Schmid AG in Gattikon. Diese Unternehmungen veränderten, zusammen mit dem 1875 erfolgten Bau der Eisenbahnlinie, das Dorfbild in starkem Masse.
Mit den globalen, marktwirtschaftlichen Veränderungen verschwand die weltbekannte Textilindustrie in Thalwil. Fabrikareale wichen Wohnüberbauungen. Parallel dazu verschwanden immer mehr Landwirtschaftsbetriebe. Im Laufe der letzten 15 Jahre entstand das heutige Profil der Agglomerationsgemeinde Thalwil/Gattikon.

Heute darf Thalwil mit Recht als attraktive Wohngemeinde in unmittelbarer Nähe der Stadt Zürich angesehen werden. Die Gemeinde ist durch den öffentliche Verkehr hervorragend erschlossen. Täglich fahren gegen 7’400 Wegpendler/innen zu ihren Arbeitsplätzen, vor allem in der Stadt. Gemäss der Volkszählung 2000 zählt Thalwil 3’500 Zupendler/innen. Die meisten kommen aus Zürich, gefolgt von Horgen, Wädenswil und Oberrieden. Im Statistischen Jahrbuch des Kantons Zürich 2010 sind 800 Arbeitsstätten erwähnt.

Dank der günstigen Verkehrserschliessung entwickelte sich auch der ehemals verträumte Hof Gattikon (der westlich des Zimmerberges an der Sonnenseite von Thalwil liegende Dorfteil bis zu Sihl) von einigen Dutzend Einwohnern bis zu einer Bevölkerung von rund 2’500 Personen.

Das kulturelle Leben
Die Bevölkerung von Thalwil war schon immer geistig sehr rege. Zeugnis davon geben die 1810 und 1830 erfolgten Gründungen von zwei Lesegesellschaften, zu denen später auch eine dritte aus dem Dorfteil Gattikon kam. Seit 1866 erscheint in Thalwil als amtliches Publikationsorgan der "Bote von Thalweil", der nach mehrmaligen Titeländerungen heute als "Thalwiler Anzeiger" dreimal wöchentlich publiziert wird. Über 100 Vereine, verschiedene Parteien und eine aktive Kulturpolitik sorgen für Freizeit, Unterhaltung und ein aktives Dorfleben. Für Veranstaltungen stehen unter anderem die Schützenhalle und das Kultur- und Freizeitzentrum Pfistergut zur Verfügung. Im dazugehörigen Pfisterhaus ist das Ortsmuseum einquartiert. Schwerpunkte des Museums bilden die Thalwiler Textilindustrie sowie Leben und Wirken des Thalwiler Kupferstechers Johann Jakob Aschmann. Im Museum werden immer wieder spannende Ausstellungen zu wechselnden Themen präsentiert.

Erholung
Als geradezu ideale Erholungslandschaft dient das umfangreiche Waldgebiet mit seinen beiden verträumten Weihern in Gattikon, welche durch den von Horgen durch den Wald fliessenden Chrebsbach gespeist werden. Weiter sind zu erwähnen der Zürichsee mit seinen grosszügig dimensionierten Seeanlagen und dem grossen Bootshafen sowie das Sihlufer für ausgedehnte Spaziergänge. Auf der Krete des Zimmerberges liegen die grosszügigen Sport- und Freizeitanlagen Brand, welche im Winter 2006/2007 durch die offene Eisbahn Brand ergänzt wurden.

Die Gemeinde ist im Besitze von knapp 40 ha Land (Landwirtschaftszone und Freihaltezonen), die sinnvoll bewirtschaftet werden müssen. Hierzu dient der 1986/1987 neu erstellte gemeindeeigene Bauernhof in der Sihlhalden. Gemeindeeigen sind auch die beiden Restaurants 'Sihlhalden' und 'Etzliberg'.
 
 

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