Ein Ehepaar kommt in die Infostelle. Der Ehemann ist körperlich aktiv, benötigt jedoch stetige Aufsicht und Betreuung. Bisher hat die Ehefrau diese Aufgaben Tag und Nacht selbst übernommen. Nun muss sie sich einer Knieoperation unterziehen, da die Schmerzen mittlerweile unerträglich geworden sind. Deshalb benötigt der Ehemann dringend ein Ferienbett mit Betreuung. Wir unterstützen alle gerne, die bei uns Rat und Hilfe suchen. Dafür sind wir da – aber nicht nur dafür. Denn wir konnten aufzeigen, dass es für die Ehefrau höchste Zeit ist, ‘innezuhalten’ und sich Fragen zu stellen. Kennen Sie das auch?
Menschen, die Angehörige betreuen, geben viel von ihrer Zeit, Kraft und Energie. Es braucht Geduld und Empathie. Sie stehen ihren Nächsten in schwierigen Situationen zur Seite und geben Halt, Orientierung und Mitgefühl. Betreuende tragen Verantwortung und ihr Engagement ist oft sehr gross. Dabei gerät der Fokus auf die eigenen Bedürfnisse zu oft in den Hintergrund - zurück bleibt Erschöpfung. Die Anforderungen an uns selbst sind oft zu hoch. Warnsignale von Körper und Seele werden ignoriert. Es wird zunehmend schwieriger, in Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen zu bleiben. Doch genau dieser Kontakt mit sich selbst ist unerlässlich, um die eigene Gesundheit zu erhalten.
Wertschätzende Selbstanerkennung
Sich selbst wertzuschätzen hilft, die eigenen Bedürfnisse und Belastungen überhaupt wahrzunehmen. Eine anerkennende Haltung gegenüber der eigenen Belastung trägt wesentlich dazu bei, die Pflege von Angehörigen langfristig erhalten zu können. Selbstfürsorge bedeutet oft, Routine zu durchbrechen und aktiv für das eigene körperliche und emotionale Wohlbefinden zu sorgen. Es geht darum, sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken, um gesund, ausgeglichen und leistungsfähig zu bleiben. Wir brauchen einen achtsamen Umgang mit uns selbst und den eigenen Ressourcen. Richten wir doch einmal den Blick auf die eigenen Kräfte. Denn wir können nur dann gut geben, wenn wir auch gut für uns selbst sorgen. Wir benötigen Auszeiten, an denen wir tun, was uns Freude bereitet. Tage, an denen wir einfach sind und uns zugestehen, dass das voll und ganz genügt.
Es ist keine Selbstverständlichkeit, Angehörige zu pflegen. Und doch tun es viele Tag für Tag. Verlieren Sie ihre Bedürfnisse nicht aus den Augen! Nur wenn Sie selbst bei guter Gesundheit sind und bleiben, können Sie Angehörige längerfristig betreuen.
Herzlich,
Karin Weidle
Die «Infostelle Alter und Gesundheit» der Gemeinde Thalwil bietet kostenlose Auskunft und Beratung zu verschiedenen Themen des Alters. Ohne Voranmeldung während der offenen Sprechstunde: Di, 14 bis 16 Uhr und Fr, 9 bis 11 Uhr.
Kontakt:
Alte Landstrasse 110a
E-Mail: altergesundheit@thalwil.ch
Karin Weidle, Altersbeauftragte: 044 723 24 72
Karin Bachmann, Gesundheitskoordinatorin: 044 723 24 73
